• Start in die neue Saison
    Start in die neue Saison

    Am 09.09.2022 beginnt die neue Saison mit einem freien Blitzturnier (3+2) um 20:30 Uhr.

Ein Rückblick: Bronze auf europäischer Vereinsebene

Geschrieben von Stefan Sp. am .

Der Schachclub Viernheim konnte sich dank des guten Abschneidens als Vizemeister auf deutscher Ebene für die europäische Vereinsmeisterschaft, ECCC 2022, qualifizieren, und nahm diese Möglichkeit trotz eines engen Terminplans und einer sehr anstrengenden Saison natürlich gerne wahr. Dieses Engagement wurde letztendlich durch einen hervorragenden dritten Platz und somit die Bronzemedaille belohnt, sogar vor den jeweilen Vereinsteams der beiden Weltmeister Magnus Carlsen und Viswanathan Anand. Das Turnier Anfang Oktober im österreichischen Mayrhofen war erneut ein großer und bisher nicht erreichter Erfolg in der Geschichte des Vereins, nicht zuletzt dank einer hervorragenden Stimmung in der Mannschaft und sportlich sehr guten Leistungen.

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Der Blick vom Hotelzimmer (Foto: Stefan Spiegel)

Vor Beginn des eigentlichen Turnier musste der aus nur 8 Spielern (bei 6 zu spielenden Brettern) bestehende Spielerkader gefunden werden. Dafür nicht in Frage kamen leider jene Bundesligaspieler des Vereins, die bereits anderen Teams zugesagt hatten, für die sie in anderen Ländern an die Bretter gehen. Es gelang jedoch den Viernheimer Weltklassespieler und Spitzenbrett GM Shakhriyar Mamedyarov zu gewinnen, sowie die weiteren Bundesliga-Profis GM Yuriy Kryvoruchko, GM Sergey Fedorchuk, GM Dennis Wagner, GM Sebastien Maze, GM Fabien Libiszewski, und GM Konstantin Tarlev - wobei Konstantins Teilnahme lange Zeit unklar war, da er erst kurz vorher aus der Ukraine ausreisen konnte. Ergänzt wurde das Team an Brett 3 durch den ebenfalls ukrainischen Gastspieler GM Yuriy Kuzubov. Außerdem dabei waren Stefan Martin als Team-Captain, und (etwas später anreisend) Stefan Spiegel als Betreuer.

In der Startrangliste fanden sich die Viernheimer auf Platz 6 von insgesamt 70 Teams; nomineller Favorit war die Mannschaft "CSU ASE Superbet" mit einem Rating-Durchschnitt von 2713(!) und Ex-Weltmeister Anand an Brett 1. Viernheim hatte zum Vergleich einen Elo-Wert von 2631 aufzubieten.

In Runde 1 ging es wie gewohnt bei dieser Turnierform erst einmal gegen einen etwas schwächeren Gegner. Das Team von "SK Zell/Zillertal" konnte dann auch mit 6:0 bezwungen werden, wobei Yuriy Ku., Sergey, Dennis, Sebastien, Fabien und Konstantin jeweils einen vollen Punkt beitrugen. In Runde 2 musste Yuriy Kr. - gesundheitlich angeschlagen - eine etwas überraschende Niederlage am Spitzenbrett quittieren, aber es wurde trotzdem ein deutliches 5:1 gegen das Team "Paul Keres"; es spielten und siegten an Brett 2 bis 5 dabei Sergey, Dennis, Sebastien, Fabien und Konstantin.

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Sebastien Maze in Runde 3 (Foto: Zetta Grapsa)

Erwartungsgemäß noch umkämpfter wurde es in Runde 3 gegen "Kfar Saba Chess Club"; zu dem 4:2-Sieg trugen Sergey, Dennis, und Konstantin volle Punkte bei sowie Yuriy Ku. und Sebastien Remisen; Fabien verlort leider. Runde 4 brachte dann das erste sportliche Highlight in Form des direkten Kräftemessens mit dem favorisierten Team von "Superbet". Shakhriyar musste sich am Spitzenbrett Vishy Anand geschlagen geben, was durch einen Sieg von Sergey an Brett 4 gegen den erst 16 Jahre alten indischen Weltklassespieler D. Gukesh kompensiert wurde. Da Yuriy Kr., Yuriy Ku., Dennis und Sebastien ihren durchweg ebenfalls stärkeren Gegnern jeweils ein Remis abringen konnten, stand am Ende ein sehr erfreuliches 3:3 gegen eines der Top-Teams.

Und es ging ebenso erfreulich weiter in Runde 5 mit einem 3,5:2,5 Sieg gegen das nominell favorisierte Team "TAJFUN - SK Ljubljana". Shakh remisierte am Spitzenbrett ebenso wie Yuriy Ku. und Dennis, während sich Sergey geschlagen geben musste. Den Sieg für Viernheim stellten dann jedoch Yuriy Kr. und Konstantin sicher. Und damit lagen die Südhessen vor den letzten beiden Runden sogar auf Tabellenplatz 2!

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Gute Stimmung beim Abendessen (Foto: Stefan Spiegel)

Gegen den Tabellenführer "Novy Bor Chess club" musste dann in der Vorschlussrunde die erste Niederlage mit 1,5:4,5 verkraftet werden. Shakh remisierte an Brett 1 gegen seinen Weltklasse-Kollegen Pentala Harikrishna, ebenso wie Yuriy Ku. und Sebastien. Mehr war aber nicht drin, da Yuriy Kr., Dennis und Konstantin verloren - letzterer gegen seinen Viernheimer Mannschaftskollegen GM David Anton-Guijarro, der diesmal für sein tschechisches Team spielte. Der Schachclub Viernheim fiel damit auf Platz 8 zurück, hatte bei einem Sieg in der finalen Runde aber zumindest rechnerisch Chancen sogar auf das berühmte Treppchen.

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Shakhriyar Mamedyarov zu Beginn der 6. Runde (Foto: Zetta Grapsa)

Und gegen "Vugar Gashimov" gelang es dann, sich vom Rückschlag des Vortages nicht irritieren zu lassen und mit 4:2 einen Sieg gegen ein weiteres starkes Team zu feiern. Die vollen Punkte wurden von Sergey und Konstantin geliefert, während Yuriy Kr., Yuriy Ku., Sebastien und Fabien remisierten. Noch spannender war jedoch der Blick auf die anderen Paarungen, da nun alles von der Feinwertung zwischen den punktgleichen Teams abhängen würde. Match für Match zeichnete es sich dann aber etwas überraschend ab, dass alle anderen Teams für die Südhessen spielten und die direkten Konkurrenten durchweg ihre eigenen Wettkämpfe nicht gewinnen konnten. Damit war der Schachclub Viernheim in der Endtabelle mit 11 Mannschaftspunkten dann sogar alleiniger Dritter und damit Gewinner der Bronzemedaille. Neuer europäischer Meister wurde "Novy Bor Chess club" (14 Punkte) vor "Clichy-Echecs-92" (12 Punkte).

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Siegerehrung mit Bronzemedaille! Es fehlt Shakhriyar Mamedyarov, der leider schon abreisen musste (Foto: Bassem Amin)

Bei der herausragenden Viernheimer Mannschaftsleistung spielten Sergey Fedorchuk und Konstantin Tarlev mit jeweils 5 Punkten aus 6 Partien besonders erfolgreich. Ebenso über der nominellen Erwartung punkteten Sebastien Maze ungeschlagen mit 4/6, Dennis Wagner ebenfalls mit 4/6, und Yuriy Kuzubov mit 3,5 aus 6. Und die schon erwähnten Mannschaften von Ex-Weltmeister Viswanathan Anand (Superbet) und Weltmeister Magnus Carlsen (Offerspill Chess Club) landeten in der Endtabelle auf Platz 6 bzw. 7.

Der Schachclub Viernheim wird sicherlich versuchen, beim ECCC 2023 in Albanien wieder dabei zu sein, sofern die Qualifikation über die vorderen Plätze der Schach-Bundesliga gelingt und auch die nötigen finanziellen Mittel dann wieder aufgebracht werden können.