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    Derzeit kein Spielbetrieb

    Aufgrund der Corona-Krise findet bis auf weiteres kein Spielbetrieb statt.

Ein (Reise)bericht aus Montenegro

Geschrieben von Stefan Sp. am .

Unser Spieler Pierre Carbonnel hat einen umfassenden Bericht zum European Club Cup 2019 in Montenegro verfasst, an dem unser Verein erstmalig teilgenommen hat.

Der Bericht kann mit dem Link unter dem Foto von Günther und Pierre heruntergeladen werden.

ECC a

Und die sportliche Bilanz hat Mannschaftsführer Stefan Martin nachfolgend zusammengefasst:

Der European Club Cup ist quasi die Campions League für Schachvereinsmannschaften und bei enormem finanziellen Aufwand mit zahlreichen absoluten Weltklassespielern bestückt. Selbst die besten deutschen Teams sind hier von Medaillenrängen normalerweise einiges entfernt. Die Spitzenteams waren diesmal aber wegen zahlreicher Terminüberschneidungen und den doch eher sehr problematischen Verhältnissen in Montenegro in der Breite nicht ganz so stark besetzt wie in den Jahren zuvor.

Wir nahmen erstmal an dem European Club Cup teil und sammelten mit unserem gemischten Team aus GMs, IMs, Nachwuchsspielerinnen und erfahrenen Amateurspielern auch sportlich viele wertvolle Erfahrungen.
In der ersten Runde wurden wir als 26. der Setzliste unter insgesamt 66 Teams gegen Zuid Limburg gelost und wir hatten beim klaren 5:1 Sieg gegen die deutlich schwächeren Niederländer keinerlei Schwierigkeiten. Ganz anders in der 2. Runde: gegen Koge SK aus Dänemark saßen wir 5 starken Großmeistern gegenüber und kamen mit ebenfalls 1:5 unter die Räder. Erfreulich war das Remis von Annmarie aus sehr guter Stellung heraus gegen einen 2600er GM und das sichere Remis von Thal gegen Jon Ludwig Hammer, den Sekundanten des Weltmeisters Magnus Carlsen.

In Runde 3 hatten wir Losglück und überrollten das irische Team von St. Benildus glatt mit 6:0, so dass wir dann in der Runde 4 im kleineren Turniersaal, aber zusammen mit den Topteams, direkt in der Hotelanlage spielen konnten. Mit KGSRL Gent aus Belgien hatten wir erstmals auch einen Gegner auf Augenhöhe, allerdings fehlte uns in diesem Kampf, den wir schließlich 2,5:3,5 verloren, bereits sichtbar die Fitness. Auf Grund des enormen Regens mit Überschwemmungen auf allen Wegen, dem heftigen Wind, kämpften wir bereits mit starken Erkältungen und waren wegen der deutlich schlechteren Unterkunft (mit stundenlangem Stromausfall) im Vergleich zu den anderen Teams nicht nur in der Vorbereitung stark gehandicapt. Konstantin und Stefan gewannen, Günther steuert einen halben Zähler bei, Josefine brach in guter Stellung konditionell völlig ein und auch Thal und Annmarie verloren. Auch unsere massiven Proteste beim veranstaltenden montenegrinischen Schachverband wegen der skandalösen und im Vergleich zu den meisten anderen Teams viel schlechteren Unterkunft (bei gleichem Preis!) hatten keinerlei Erfolg, so dass wir stark angeschlagen das Turnier zu Ende spielen mussten. Dabei kam uns wenigstens zu Gute, dass wir mit sieben Spielern angereist waren und somit ein Spieler immer pausieren konnte.

Wie in Schweizer System Turnieren üblich nähern sich die Spielstärken der gegeneinander gelosten Teams mit fortlaufender Turnierdauer immer mehr an und die letzten Runden entscheiden in der Regel über den Erfolg im Turnier. In Runde 5 besiegten wir das slowakische Team aus Modra mit 4:2 (Thal und Konstantin punkteten voll) und wir lagen mit 6:4 Mannschaftspunkten gut im Rennen. Leider konnten wir in der nächsten Runde das litauische Team von MRU-Rosk Consulting trotz guter Stellungen nicht besiegen (Konstantin und Günther gewannen, Josefine und Stefan verloren bereits massiv gesundheitlich angeschlagen). Noch schlimmer kam es aber in der Schlussrunde, als wir gegen das etwas höher einzuschätzende französische Team aus Asnieres knapp unterlagen. Thal spielte eine schöne Gewinnpartie und auch Konstantin hielt gegen einen sehr starken GM das Remis. Annmarie musste sich einem starken GM schließlich geschlagen geben, aber Günther brachte uns in einer guten Partie wieder in Führung. Leider unterlief Pierre in klarer Gewinnstellung ein haarsträubender Fehler, so dass er sofort aufgab, und Stefan hatte sein besseres Endspiel bereits überzogen und verlor ebenfalls. Diese 2,5:3,5 Niederlage kostete uns eine gute Platzierung und wir landeten schlussendlich auf dem 30. Rang.

Beste Spieler in unserem Team waren IM Günther Beikert mit 5/6 und GM Konstantin Tarlev mit 5,5/7, gefolgt von GM Thal Abergel mit 3,5/6 und WIM Annmarie Mütsch mit 3/7. Leider schnitten Pierre Carbonnel mit 2,5/5, WGM Josefine Heinemann mit 2,5/6 und Stefan Martin mit 2/5 nicht so gut ab.

Als Fazit lässt sich ziehen: Der ECC ist ein außergewöhnliches Event, sportlich sehr stark und interessant mit vielen freundschaftlichen Kontakten zu anderen europäischen Spielern; der montenegrinische Schachverband war als Veranstalter dagegen nicht auf europäischem Niveau. Wir haben sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt, um in Zukunft erfolgreich bei diesem Event mitspielen zu können - vielleicht schon im Herbst 2020 in Österreich.